Sieben Mythen im Faktencheck: Artgerechte Meerschweinchenhaltung und -Ernährung


Von Galaxia GmbH
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Sieben Mythen im Faktencheck: Artgerechte Meerschweinchenhaltung und -Ernährung

Es gibt einige Annahmen über Meerschweinchen und ihre artgerechte Haltung, die sich über die Jahre hinweg sehr gewandelt haben. Noch vor rund 30 Jahren galten einige Haltungsstandards als artgerecht, die heute längst widerlegt wurden. Trotzdem halten sich einige Meinungen hinsichtlich der artgerechten Meerschweinchenhaltung überaus hartnäckig: So ranken sich beispielsweise Mythen um die richtige Gehegegröße oder gesundes Futter für Meerschweinchen.

Wir haben einige dieser Mythen aufgegriffen und näher beleuchtet.

Mythos 1: Ein Meerschweinchen ist nicht sehr groß, darum reicht ein normaler Käfig aus der Zoohandlung vollkommen aus.

Falsch. Meerschweinchen sind sehr bewegungsfreudige Tiere und lieben es, Haken zu schlagen oder ausgelassen zu rennen – am liebsten mit ihren Artgenossen. Ein handelsüblicher Käfig bietet nicht annähernd die Platzverhältnisse, die deine Fellnasen dafür brauchen.

Die älteren Meerschweinchenhalter unter uns werden sich sicherlich an die typischen Nagerkäfige erinnern. Eine zumeist braune Plastikwanne, auf der ein weißes Gitter mit aufklappbarem Gitterdeckel mittels seitlicher Clips befestigt war. Diese Käfige galten lange Zeit als Standard und fast niemand machte sich früher Gedanken darüber. Heute wissen wir es zum Glück besser: Meerschweinchen brauchen große Gehege zum Rennen, Spielen und Toben.

Handwerklich geschickte Menschen bauen richtige Meisterwerke und lassen sich allerhand für ihre Tiere einfallen: umfunktionierte Möbelstücke, Plexiglaseinsätze oder ins Wohnzimmer integrierte Gehege.

Beachte bitte in jedem Fall bei deiner Wahl, dass deine Tiere eine ausreichend große Grundfläche haben: Für zwei bis drei Meerschweinchen sind das mindestens zwei Quadratmeter mit einer freien Rennfläche von ungefähr zwei Metern Länge.

Mythos 2: Meerschweinchen können problemlos alleine gehalten werden, wenn man sich genug um sie kümmert.

Falsch. So liebevoll deine Aufmerksamkeit für dein Meerschweinchen auch sein mag: Einen Artgenossen kann sie nicht ersetzen. Meerschweinchen sind sehr soziale Tiere und brauchen den Austausch mit ihren pelzigen Freunden: Spielen, Verstecken, Necken oder einfach nur zusammen vor sich hin dösen. Werden sie alleine gehalten, können sie schnell Verhaltensauffälligkeiten entwickeln.

Optimal sind Gruppen mit drei Tieren: Zum Beispiel zwei Weibchen und ein Böckchen, das vor der Geschlechtsreife kastriert werden sollte.

Mythos 3: Meerschweinchen brauchen Körnerfutter.

Falsch. Der gut gefüllte Futternapf mit einem Kraftfutter aus verschiedenen Getreidekörnern, Gemüsestückchen und handelsüblichen Pellets gilt längst als überholt. Dieses nährstoffreiche Futter liefert meist zu viel Energie und entspricht nicht einer naturnahen Ernährung. Getrocknete Gemüsestückchen können im ungünstigsten Fall sogar Zahnerkrankungen begünstigen.

Stattdessen sollte sehr viel Frischfutter auf dem Speiseplan deiner Meerschweinchen stehen: Frisches Grün, Gräser, Wildkräuter oder blättriges Kohlgemüse sind eine gute Wahl. Auch Heu und frisches Wasser sollten deinen Fellnasen rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Das sorgt für eine gesunde Verdauung und damit ein intaktes Immunsystem.

Getrocknete Gräser, Wildkräuter oder Blüten kannst du hingegen in der Regel bedenkenlos als Ergänzung füttern: Mische sie unter das Heu deiner Tiere, füttere sie als aromatischen Snack oder gesundes Leckerli.

Mythos 4: Meerschweinchen-Auslauf in der Wohnung ist eine sichere Abwechslung zum Käfig.

Falsch. Auslauf ersetzt kein ausreichend großes Gehege. Wenn du deinen Meerschweinchen hingegen etwas Abwechslung bieten möchtest, kannst du sie auch in der Wohnung oder Teilen des Hauses laufen lassen. Treffe vorab aber unbedingt ein paar Vorkehrungen:

  • Sichere Stromkabel: Frei zugängliche Stromkabel können für deine Meerschweinchen lebensgefährlich werden. Einmal angenagt, können sie einen Stromschlag erleiden und im schlimmsten Fall daran sterben. Kabelkanäle können eine effektive Lösung sein und verstecken herumliegende Kabel nachhaltig. Ansonsten kannst du die Kabel auch mit Decken oder ähnlichen Utensilien verdecken oder, falls möglich, während des Auslaufs entfernen.
  • Spalten und Schlitze: Oft gibt es zwischen Möbelstücken und Wänden einen Spalt oder Lücken. Deine neugierigen Meerschweinchen könnten auf die Idee kommen, diesen Spalt genauer zu erkunden oder sie flüchten aus Angst in diese Vertiefung. Im schlimmsten Fall können sie sich nicht mehr selbstständig befreien oder verletzen sich dabei. Sichere solche Zwischenräume, indem du etwas davorstellst oder Stoff in den Spalt stopfst.
  • Zimmerpflanzen: Manche deiner Pflanzen können giftig für deine Meerschweinchen sein. Wenn du dir unsicher bist, räume solche Blumentöpfe am besten in ein anderes Zimmer oder stelle sie erhöht, damit deine Tiere sie nicht erreichen können.
  • Zimmertüren und Zugluft: Sichere deine Zimmertüren, damit sie bei Zugluft nicht zufallen und deine Meerschweinchen einklemmen können. Massive Türstopper sind eine gute Lösung.
  • Andere Bewohner: Informiere deine Familie, dass deine Meerschweinchen gerade Auslauf haben. Im Zweifelsfall kannst du ein Schild aufhängen oder ein Zimmer abschließen. So verhinderst du, dass deine Tiere auf eine weitere Erkundungstour gehen oder dass sie aus Versehen getreten werden.

Mythos 5: Obst- und Gemüsereste aus der Küche reichen vollkommen aus.

Falsch. Deine Meerschweinchen brauchen viel Frischfutter, um gesund und glücklich zu leben. Reste aus der Küche reichen bei Weitem nicht aus. Obst sollten deine Fellnasen im Übrigen nur sehr selten bekommen – am besten als Leckerli, da der Fruchtzuckergehalt meist zu hoch ist und zudem Zahnerkrankungen begünstigen kann.

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Mythos 6: Meerschweinchenhäuser sind überflüssig.

Falsch. Deine Meerschweinchen brauchen mehrere Rückzugsorte in ihrem Gehege: Verstecken, Beobachten, Dösen oder Schlafen – so fühlen sie sich sicher und geborgen. Besonders schön sind verschiedene Rückzugsorte für deine Tiere: Holzhäuser mit zwei Eingängen, Tunnel, Höhlen oder flauschige Stoffverstecke.

Viele Meerschweinchen lieben außerdem Hängematten: Darin beobachten sie völlig relaxed ihre Umgebung oder verstecken sich bei Bedarf auch darunter.

Mythos 7: Die Krallen wetzen sich von alleine ab.

Jain. Wenn deine Meerschweinchen sehr viel rennen und im Optimalfall raue, verschiedene Untergründe in ihrem Gehege haben, reiben sich ihre Krallen auf natürlichem Weg ab. Meistens reicht das jedoch nicht aus. Zu lange Krallen bedeuten Schmerzen für deine Tiere und können sich im schlimmsten Fall entzünden.

Allerdings solltest du nicht unüberlegt selbst zur Krallenschere greifen: Meerschweinchenkrallen sind sehr empfindlich. In ihrer Mitte verläuft ein Nerv, der auf keinen Fall verletzt werden sollte – andernfalls bedeutet das für dein Tier starke Schmerzen. Sind die Krallen deiner Tiere hell, kannst du den Nerv sogar sehen. Je dunkler die Krallen sind, desto schwieriger wird das. Überlasse das Schneiden also am besten deiner Tierarztpraxis.

 

Das sind nur sieben gängige Mythen, die rund um Meerschweinchen und deren Haltung kursieren. Einige sind leider immer noch fest in den Köpfen verankert. Einige dieser Fehler kennen wir vielleicht noch aus eigener Erfahrung – heute wissen wir es zum Glück besser.